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Ärger mit dem Pflasterkataster

Mehr zufällig haben Bewohner unserer Richard-Wagner-Straße in Bremen mitbekommen, dass schon Ende dieses Monats mit der Sanierung des Abwasserkanals begonnen werden soll. Neben den monatelangen Unannehmlichkeiten einer Baustelle soll dabei das uralte Kopfsteinpflaster gegen schlichten Asphalt getauscht werden. Die Bewohner wehren sich dagegen.

Die Wohnqualität in dieser alten Bremer Wohnstraße wird auch vom Aussehen eben dieser Straße bestimmt. Das alte Pflaster passt einfach zu den über hundert Jahre alten Häusern mit ihren Vorgärten und dem Baumbestand auf beiden Seiten der Straße. Ähnliches beschreibt das Bremer Pflaster-Kataster, in dem mit ihrem Straßenpflaster erhaltenswerte Straßenzüge aufgeführt sind, in seiner Präambel. Leider steht unsere Straße nicht im Kataster. Genauer: Nicht mehr. Denn Ende der neunziger Jahre wurden zahlreiche Straßen aus diesem Kataster entfernt. Ebenfalls Ende der neunziger Jahre privatisierte Bremen sein Abwassersystem mit der hanseWasser. Die aus dem Kataster entfernten Straßen waren angeblich vor allem solche, bei denen das Abwassersystem sanierungsbedürftig war. Und Pflaster Erhalten oder Wiederherstellen ist teuerer als schnödes Asphaltieren. Ein Schelm, wer eine Verbindung sieht.

Eben diese hanseWasser will nun das Abwassersystem in unserer Straße erneuern: Also Pflaster runter, Straße auf, Rohre tauschen, Straße zu, Asphalt drauf. Laut Ortsamt bis zu neun Monate lang. Danach hätten wir eine asphaltierte Abkürzung vor der Tür, mit der man sich z. B. die nächste Ampelkreuzung sparen kann. So, wie das noch die älteren Bewohner aus den siebziger Jahren kennen, als die Taxis an ihnen vorbeibrausten. Zur Zeit ist das kaum möglich. Nicht nur wegen des Pflasters, das gab es damals ja auch schon, sondern wegen seines Zustandes. Historisch gewachsene Verkehrsberuhigung sozusagen. Mittlerweile von den Verkehrsbehörden durch das Aufstellen eines Tempo-Zehn-Schildes bestätigt. Und dieser Verkehrszustand soll zusammen mit dem optischen Zustand so bleiben, wollen die Bewohner.

Das das geht, haben erfolgreiche Proteste anderer Straßen gezeigt, die ebenfalls nicht im Kataster standen. Und vor kurzem waren die Bauarbeiten am Ende der Straße zum Anschluss an die neue, zu breite Hauptstraße beendet. Das dafür aufgerissene Straßenstück wurde wieder mit den alten Steinen gepflastert. Geht doch.

Auf einer gut besuchten Bewohnerversammlung heute Abend wurde all dies besprochen. Anwesend waren Alte und Junge, Mieter und Besitzer. Maßnahmen, um den Protest zu zeigen und um Medien auf das Problem minderwertiger Straßensanierung durch eine Privatfirma hinzuweisen, wurden besprochen. Da das Unternehmen es keine drei Wochen vor Baubeginn nicht für nötig hält, die Betroffenen und die Öffentlichkeit zu informieren, tun wir das.

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Das BlaBlog. on : Von Steinen und Mächten

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Ein Bagger nimmt das Pflaster des Sterns hoch.Heute Nacht beginnen Am Stern nebenan die lange angekündigten Bauarbeiten. Neuer Straßenbelag, kein Pflaster mehr (protestlos) und eine seltsame Pufferzone zwischen motorisierten und pedalbetriebenen Fahrzeuge

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