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Lauter Beobachter

Hier in der Provinz sind wir einen solchen Rummel nicht gewohnt. Und schon gar nicht, wenn sich die Prominenz gleich nebenan trifft. Wir sind es nicht gewohnt, an jeder Ecke grün-blau-weiße Autos und grünblau gekleidete Menschen mit Waffen stehen zu sehen, die andere Menschen vor wieder anderen Menschen (auch uns?) schützen. Und wir sind es nicht gewohnt, dass seit gestern den ganzen Tag über ein Hubschrauber über unseren Köpfen fliegt/steht/kreist.

Himmel nochmal, können die nicht den Flüstermodus (SFM) einschalten?

Entgeisternd

Heute Mittag bin ich bei einer kleinen Pausentour um die Stadt am Grauen persönlich vorbeigefahren.

In der zwölften Klasse dachte ich alles schulisch Unangenehme außer der Abiturprüfung zu kennen. Bis ich eine neue Deutschlehrerin bekam. Eine solch unfähige PersonLehrkraft war mir bis dahin nicht begegnet. Goethes “Die Leiden des jungen Werthers” und Plenzdorfs “Die neuen Leiden des jungen W.” waren mir neu, ich fand sie interessant und spannend. Leider habe ich zum Beispiel den Werther anders (nicht so suizidal, mit Textpassagen belegt) als sie und ihre Lehrbücher interpretiert. Fehler. Außerdem war sie dermaßen komplex- und problembeladen, dass die Diskussion mit Jugendlichen (Schüler) über Jugendprobleme (am Beispiel Werther) ein offen hörbarer Witz für sie war: Ständig gniggerte sie peinlich wie ein frühpubertäres Mädchen. Wohlgemerkt, die Lehrerin und nicht die Schüler.
Und nie werde ich ihren Kommentar unter einer meiner Klausuren vergessen (den einzigen, an den ich mich überhaupt erinnern kann):
“Insgesamt fällt der flapsige Umgangston auf, der noch nicht einmal in einen richtigen Satzbau gepresst wird.”

Sie war die einzige, die das in vielen Schuljahren (so) moniert hatte. Ich nannte das übrigens Schreibstil.

Und an der bin ich heute Mittag vorbeigefahren und musste mich erinnern. Grusel. Nun sagt die EINE™ gerade, dass besagte Lehrerin längst tot sei (äh, sie war doch auf dem anderen Gymnasium, woher kennt sie sie eigentlich?). Oups. Die Frau begegnet mir also ungefragt am helllichten Tag als Geist mitten auf der Straße? Ich habe ein Problem. Kann mich ein Hobbyfreud mal therapieren?

Verraucht

Der Nichtraucherschutz in Niedersachsen wird zur Farce. Viele Ausnahmen, keine Sanktionen. Verrauchte Gaststätten werden europäisch mit einem R gekennzeichnet. R wie smoker, fumeur, fumígeno, fumatore oder курильщику.

Wiederaufforstung [Update]

Seit vielen Jahren will die Stadt gegen den Widerstand von Anwohnern, Initiativen und Ortsrat eine Hauptverkehrsstraße verbreitern. Mit dem Ausbau von 2 auf 4 Fahrspuren und der Erhöhung der Durchfahrtshöhe einer Eisenbahnbrücke für alle LKW würde eine neue Verkehrsschneise mitten durch die Stadt geschaffen. Nicht das es dort wenig Verkehr geben würde, denn der am zweitstärksten belastete Umweltmesspunkt der Stadt liegt dort bereits. Nachdem der komplette Ausbau in einem Rutsch nicht durch zusetzen war, wurde ein erstes von drei Teilstücken in den letzten Jahren ausgebaut. Nun soll ein zweites Teilstück folgen.
Ein erster Versuch der Stadt war vor Kurzem gescheitert, die Linden an dieser Straße zu fällen (Anwohner konnten das erfolgreich verhindern). Der zweite Versuch mit mehr Ordnungshütern und Baumfällern war erfolgreich. Dagegen haben die Anwohner an diesem Wochenende zahlreich demonstriert und mit der Wideraufforstung begonnen. Neben einer stattlichen Linde wurden viele kleine Bäume und Büsche gepflanzt.
Die plötzliche Entscheidungsfreudigkeit und Durchsetzungsschnelle der Stadt bei der Fällaktion war übrigens erstaunlich. Zitat eines Redners: “Versuchen Sie mal eine Genehmigung zu bekommen, Nachts um Drei mit der Motorsäge einen Baum zu fällen.”

Auftaktrede.
Auftaktrede vor im Weg stehender, vom Abriss bedrohter Apotheke.
Langsames queren einer Kreuzung.
Sonst lebensgefährlich und hier nur unter Polizeischutz möglich: Langsames queren einer Kreuzung.
Noch mehr Reden.
Noch mehr Reden von Politikern und Initiativern.
Linde.
Linde.




Nachtrag: Wenige Tage später haben Arbeiter versucht, die Baumstümpfe der Linden zu schreddern. Auch das konnten Anwohner im ersten Versuch verhindern. Die neu gepflanzte Linde wurde in der Nacht vorher von der Stadt heimlich eine Straße weiter umgepflanzt. Im zweiten Versuch der Stadt gelang es. Dazu wurde eben diese Hauptverkehrsstraße 3 Tage lang einseitig gesperrt. Unangekündigt. Die Staus waren bemerkenswert. Der Baustellenbereich wurde eingezäunt und von Wachleuten bewacht. Zitat einer Anwohnerin: “Die haben wohl Angst vor uns.” Richtig, in zwei Monaten sind Wahlen.

Nachtrag 2: Nix mit Angst und Wahlen. Die Bauarbeiten am zweiten Teilstück beginnen in diesen Tagen und müssen bis Oktober abgeschlossen sein, da dann die Bahn die Brücke höher legen will. Fakten, Fakten, Fakten und nicht auf die Bürger hören.

Niederschlag

Es ist früh und sehr nebelig. Die Sicht ist mäßig und wird noch schlechter, weil sich ständig der Nebel auf dem Visier niederschlägt. Erst nur ein Hauch, dann wird es undurchsichtiger, bis es immer größer werdende Tropfen sind. Immer wieder muss ich das durchsichtige Plastik (mit dem behandschuhten Finger) frei wischen.
Aber warum muss das kein einziger Autofahrer tun? Deren Scheiben bleiben frei. Hat jemand eine Erklärung für das Phänomen?

Von innen habe ich übrigens keine Probleme mit Beschlag. Denn wie bei Dennis wird mein (Ara*-) Visier von einem P*nlock-Einsatz erfolgreich Beschlag frei gehalten. Auch ich hatte vorher eine FogC*ty-Folie, deren psychedelische Impressionen bei Gegenlicht beeindruckend waren.

Scheibe

Rost pur.
Rost pur.
Da ich aus, äh, sitztechnischen Gründen gut sechs Wochen nicht Mopped fahren konnte, musste Öldurst wie immer draußen stehen. Nun, das kennt sie seit über acht Jahren (das draußen Stehen, nicht das wochenlange nicht Fahren) und es macht ihr trotz ihres Alters von 19 Jahren nix aus. Nur eines war diesmal noch anders: Die Bremsscheibe. Aus Budgetgründen hatte ich eine neuwertige Graugussscheibe genommen, die jemand noch rumliegen hatte und samt Belägen sehr günstig anbot. Ich erinnere mich vage, dass in der Anbauanleitung etwas von "höherer Korrosionsanfälligkeit" und "Vermeidung längerer Einwirkung von Wasser" stand. Aber dieser rostige Metallreifen samt festgebackener Beläge hat mich dann doch überrascht. Und die Bremswirkung war anfangs (wie im Beipackzettel angekündigt) unterirdisch und wurde erst mit mehreren Bremsungen im (sonntäglichen) Verkehr wieder gut. Nicht sehr praxisnah. Wie auch die Einfahranweisung von über 30 Bremsungen. Die Bremsleistung ist sonst im Trockenen gut, im Nassen befriedigend.

Die anschließende Tour hat mich auch über'n Deich geführt, allerdings einen großen Fluss weiter westlich. Das Brötchen mit Brathering bei Ab*lmann im Schaufenster Fischereihafen in Fischtown war köstlich.
Bei der Gelegenheit sei auf das 50. Bremerhavener Fischereihafen Rennen an Pfingsten vom 26. bis 28. Mai 2007 hingewiesen. Es ist eines der raren Motorradsport-Ereignisse im Norden, bei dem man zudem so nah wie selten an der Rennpiste sein kann.

Winterling

Es ist Sonntag Morgen, die Sonne scheint plötzlich, ich habe nix zu tun und Bewegung nötig. Die EINE™ möchte raus und mir fehlt jedes Argument, alleine zu Hause zu bleiben. Die Räder bekommen noch ein wenig frische Luft in die Gummis gepustet und schon radeln wir los in die nahen Großparks. Und siehe da, wir sind nicht allein. Zahlreiche Bewegung treibende Menschen sind schon unterwegs. Interessant, dass so manche Walker Ihr Nordic weglassen und die Arme beim energischen Gehen auch ohne Stockhilfe in Bewegung und auf Höhe halten. Vorbildlich. Ein fernsehbekannter Anwalt kommt uns entgegen. Am Parkplatz vor dem Einstieg in eine Laufbahn wird mir klar, dass wir die Sache mit dem Abmildern des Klimawandels wohl nicht hin bekommen werden. Die ab-/ausgestellten Fahrzeuge hatten grob geschätzt einen mittleren Verbrauch von zehn Litern. Beim Anblick des Gehabes und der Erscheinung der dahinter sich Aufwärmenden Sportler musste ich schon grinsen.

Aussichtsturm.
Mir bisher völlig unbe- kannter Hügel samt renoviertem aber verschlo- ssenem Aussichts- turm.
Liegewiese am See.
Liegewiese am See. Im Sommer übersäht mit Müll und Hundekot.
Ungenutzter Badesee.
Unge- nutzter Badesee mit DLR*- Station im Hintergrund.
Zebu.
Zebu (kleinste Rinderart) im Tiergehege. Nur hier waren noch andere Menschen als Sportler zu finden: Kinder samt früh geweckter Eltern.


Schuhe

Nach dem Abklappern von geschätzt 20 Schuhhäusern in den letzten Tagen, habe ich mich tatsächlich für ein neues Paar Schuhe entscheiden können (20% Rabatt sind ein Argument). Dafür sehen sie auch langweilig aus und sind sau bequem. Schlichte schwarze Halbschuhe halt.

Aber warum sind alle Herrenschuhabteilungen im ersten Stock?
Und warum sind stets nur die rechten Exemplare ausgestellt, wenn mir doch mehrere VerkäuferInnen mit abstrusen Begründungen versichert haben, dass der linke Fuss der meisten Menschen größer ist als der rechte?
Und warum sind MitarbeiterInnen in Outdoor-(schuh-)läden oft so besserwisserisch?

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