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Wir müssen zornig werden

Der großartige Georg Schramm über Wut, den Zorn (Zitat: „Der Zorn ist mein persönliches Lieblingsgefühl.“), das Böse, die Gier und sein ewig klatschendes Publikum.

via dem Schockwellenreiter, dessen Hund Zebu gestorben ist. Das hat aber keinen Zusammenhang.

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Spätherbst

keine AngabeDie Nordwestbahn übernimmt regionale Strecken der Deutsche Bahn im Bundesrandgebiet in der Metropolregion, das Ganze wird Regio-S-Bahn genannt und stolz von der (vermutlich selten damit fahrenden) Politik präsentiert. Gleich am zweiten Tag geht es wie immer weiter: Verspätung, keine Information und wenn doch, dann nur in den Zügen durch unverständliche Lautsprecher. Keine Verspätungsangaben auf den Übersichtstafeln im Bahnhof oder im Netz (das kann ja sogar die DB). Aber nach Jahren der Planung kommt die reale Pseudo-S-Bahn wohl etwas überraschend für so etwas. S-Bahn heißt für mich gleichmäßige Vertaktung. Pseudo-S-Bahn deshalb, weil es die Fahrplaner geschafft haben, drei Züge in einer Richtung innerhalb von 12 Minuten fahren zu lassen. Vorher waren es immerhin 21 Minuten. Jetzt also 48 Minuten Pause. Theoretisch, denn vielleicht werden die heutigen Verspätungen ja in einem Jahr zur Regel. Und sogar die lokalen Busunternehmen haben Probleme, ihre Fahrpläne daran anzupassen.

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Glaubensfrage

Kommst du jetzt endlich runter?

Die anrufende Frau war trotz meines freundlichen Bemühens nicht davon zu überzeugen, dass sie sich verwählt hat.

Die Nummer habe ich seit Jahren in meinem Handy abgespeichert!

Weggeparkt

Dieter W*del ist Regisseur und begann seine Laufbahn in dieser Stadt. Gewohnt hat er damals in dieser Straße. Nun kehrt er zurück und dreht einen kleinen Teil eines neuen Filmes in einem Haus in eben dieser Straße. In einem Interview vor ein paar Tagen sagte er, die Straße hätte sich gar nicht verändert: Stimmt, das Pflaster ist gut hundert Jahre alt und es ist so ausgefahren, als ob noch immer Pferdefuhrwerke hier lang führen (eine bessere Verkehrsberuhigung gibt es nicht).

Leider kommt er nicht allein. Und so wurde die gesamte Straße heute mit einem absoluten Halteverbot belegt, damit seine Fahrzeuge parken können. Die Schilder wurden erst gestern aufgestellt, vorgestern hing ein Zettel an allen Eingangstüren. Das ist eine reine Wohnstraße und hier parken nicht nur direkte Bewohner. Mancher mag auch im Urlaub sein. Aber so ein oller Film wird ja am Wochenende vorher geplant, das kann man nicht früher ankündigen.

Und draußen stehen plötzlich Pylone, Fahrzeuge blinken eilig, wichtige Menschen laufen laut rum, die dunkelblauen Parkwächter sind auch schon da und verteilen Autogramme an die verbliebenen Parker. Vorne an der Straße stehen mobile Klos. Im Schneematsch vor unserem Haus (da, wo sich die Hunde gerne erleichtern) wird ein Pavillon aufgebaut.

Fruchtiges Rutschen

Es ist sicher löblich von einem Handelskonzern, bei einem Festumzug mit 250.000 Zuschauern statt der gewohnten Süßigkeiten ungewohnt Obst zu verteilen. Es ist aber nicht sehr löblich, Bananen in das Volk zu werfen. Zum Glück sind Bananenschalen auf öffentlichen Wegen normalerweise sehr selten. In unserer Innenstadt gestern nachmittag aber nicht.

Übergetroffen

Mich hat DIE EINE™ mal wieder technologisch überholt. Immer hat sie alles früher und toller als ich: Notebook, Mobiltelefon, Digitalkamera. Was mich schon etwas wurmt, auch wenn ich bewusst kein Early-Adopter bin: Sachen müssen sich erst (bei anderen) als gut bewähren und bezahlbar werden.

Na ja, nun muss ich mir dringend das schon länger beäugte Telefon holen.

Versammeltes I

Immer wieder passiert es mir beim Schrauben, dass irgendwas nicht geht wie gedacht, ich etwas anderes vorher abschrauben muss, das wiederum nicht ohne Probleme abgeht, ich dabei entdecke, dass da überraschend noch was ganz anderes geflickt werden muss und ich so zum Lösen des ursprünglichen Problems an dem Tag gar nicht komme. So heute. Die neue Alte aka „Sänfte“ steht nun arg demontiert rum und hofft auf neue Teile und Eingebungen meinerseits. Dafür ist die Kleine bereit für die Hauptuntersuchung und die alte Alte aka „Öldurst“ trägt mich brav und ölsaufend durch die Gegend.

Apropos Gegend: Habe heute in der großen Stadt ein klasse Cross- und Endurogelände gefunden. Mittenmang im Hafen bei der Mövenkolonie. Wohl nur am Wochendende nutzbar (mit Baufahrzeugen messe ich mich ungern) und leider am Zuweg zum Anleger von Z*ll und P*lizei. Aber für eine Viertelstunde Spaß reicht es.

Warum AUSGERECHNET heute dreikommazwei SPANISCHE EUROS in meinem Portmonnaie sind? Keine Ahnung, aber es waren noch mehr deutsche Euros drin (alles nur Münzen). Das vermeindlich schlechte Omen wurde somit zu einem guten.

Abarbeiten

Ich brauche einen neuen Personalausweis. Nicht, dass ich wirklich einen benötige, denn ich habe noch einen fingerabdruckfreien Reisepass, der noch viele Jahre gilt. Aber bevor ich einen Ausweis mit noch mehr biometrischen Merkmalen und digitalen Überfunktionen bekomme, hole ich mir doch das harmlose Modell für ein paar Jahre.

Mit einem verbrecherhaftem Passfoto und dem Reisepass als Legitimation betrat ich das BürgerServiceZentrum in der Stadtmitte am Samstag Mittag. Es hatte tatsächlich zu pendlerarbeitnehmerfreundlichen Zeiten geöffnet, wie mir das Internet vorher verriet. Prompt kam ich an die Reihe und äußerte meinen Wunsch.

Ich kann Ihren Antrag nicht mehr annehmen.

Das ist nicht Ihr Ernst: Sie schreiben etwas von Öffnungszeiten bis dreizehn Uhr und nehmen um halb eins keine Anträge mehr an?

Ich muss noch die vorherigen Kunden abarbeiten.

Wenn demnächst ein Sicherheitsbeamter nach meinem Ausweis fragt, erzähle ich etwas von Abarbeiten von Dingen, und dass ich seinem Wunsch an dem Tag nicht nachkommen kann. Und dass ich dann noch auf seine abarbeitende Kollegin warten muss.

Verstaubt

In den Mittagsstunden eines wolkigen Aprilsonntages kam es im Bereich des südlichen Bürgerparks zu ungewöhnlich hohen Staubkonzentrationen. Hustende Meisen und röchelnde Gartenzwerge zeugten von diesem Ereignis.

Mitarbeiter des Einsatzstabes „Klimaaktionismus“ fanden bald die Ursache: Der männliche Teil eines Paares mäßiggutbürgerlicher Dinks (die nebenbei im Besitz von 4,5 Fahrzeugen mit benzinhaltigen Verbrennungsmotoren sind) hatte seiner frühlingsputzenden Frau ungeplant helfen wollen. Er nahm nacheinander zwei neben ihm auf dem Sofa liegende Wolldecken und schüttelte diese auf dem Balkon der gemeinsamen Wohnung hemmungslos aus.

Die entstehende Staubwolke zog, getrieben durch einen starken Ostwind, über die Innenstadt in Richtung einer kleinen Stadt im benachbarten Bundesland. Dort glaubte man zunächst an einen sich nähernden Schneesturm. Dann erinnerte man sich aber an die penetranten Warnungen der üblichen Medien über das doch erwärmte Klima und sprach kundig von Staubbelastungen durch äolische Sedimente (“Der Löss kommt!” ist seitdem ein geflügeltes Wort und löst mehr Angst aus als “Der Russe kommt!” Beides entbehrt wissenschaftlich haltbarer Gründe und wird darum gerne geglaubt.)

Die zuständige oberste Reinigungsfachkraft aka Umweltsenator der Staubverursacher versprach noch beim sonntagnachmittäglichen Biokaffeetrinken, dieser Form der privaten Umweltverschmutzung rasch Einhalt zu gebieten: „Putzen kann tödlich sein“ soll zukünftig auf allen Reinigungsmitteln, Putzlappen und Staubsaugerbeuteln stehen.

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