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Hafenkonflikte

Diese Stadt hat lange Zeit übersehen, dass sie an einem großen Fluss liegt und einen Hafen hat. Und so hat man erst zur EXPO 2000 das Wasser in Innenstadtnähe wiederentdeckt. Eine Promenade wurde ausgebaut und Gastronomie angesiedelt. Erfolgreich. Andere Städte waren da schneller.

Beim Hafen ist man noch am Schaffen. Er hat längst nicht mehr die Bedeutung wie in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts. Der Schwesterhaven an der Flussmündung hatte mehr Tiefgang, eine praktischere Stromkaje und machte das Rennen. Leerstände und ungenutzte Flächen hier waren die Folge. Allmählich wurden aber neue Konzepte entwickelt und umgesetzt. Zunächst wurde Bausubstanz abgerissen und eines der großen Hafenbecken zugeschüttet. Doch die erhofften Neuansiedlungen blieben mager. Dann begann man mit Umwidmungen und Revitalisierungen. Die Verkehrs-Infrastruktur wurde aufgefrischt, ein neuer Name wurde gefunden. Dienstleister und Bildungseinrichtungen, Gastronomie und sogar Einzelhandel wurden angesiedelt. Das ganze hat einen tollen Charme und ich bin gerne dort unterwegs. Altes Hafengewerbe und neue Nutzung sind einfach spannend. Nur eines fehlte lange Zeit: Wohnbebauung. Nicht dass nicht neu gebaut wurde, diese Gebäude werden aber ausschließlich gewerblich genutzt. Die ansässigen produzierenden Unternehmen wehrten sich standhaft gegen neue Nachbarn, die sich, wenn sie erst mal da sind, über Lärm und Geruch beschweren, auch wenn diese vorher da waren. Trotz dieser Bedenken wird weiter “am Wasser” gebaut. Und nun nicht nur hippe Büros, sondern auch schicke Lofts und ein “Wohntower”.

Diese neue Bebauung habe ich mir heute angesehen. Sieht gut und teuer aus. Doch gleich nebenan gibt es Nachbarn, deren Anwesenheit sicher noch zu Diskussionen führt. Da sind zum einen eine riesige Möwenkolonie. Diese kreischenden Vögel haben ihr Schlaf- und Brutgebiet jahrelang ungestört vergrößert (wenn man von Spontancrossern mal absieht). Zum anderen ist nur wenige Straßen weiter ein Gewerbe tätig, das zum Hafen wie das Wasser gehört: Das horizontale Gewerbe. Die Huren vom Straßenstrich sind schon öfter vertriebenumgesiedelt worden, wenn sich Nachbarn gestört fühlen. Das bisher nur noch tagsüber genutzte Hafengebiet galt da als problemlos nutzbar, auch wenn es in der Ecke zum Beispiel keine Gastronomie gibt.
Mal sehen, wann sich erste moralinsaure Bewohner an profillose Politiker und nachrichtenarme Medien wenden und sich Naturschützer für schieternde Federträger einsetzen.

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