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Bremen ignoriert Krafträder. Das ist kurzsichtig.

Fahrradfalschparker in Schweden

Der Bremer Senator für Umwelt, Bau und Verkehr (mir scheint der Zuschnitt der Resorts etwas schizophren) arbeitet daran, wie die Verkehre der Zukunft im Land Bremen aussehen können. Genannt wird das ganze „Verkehrsentwicklungsplan 2025“. Ich habe in den bisher veröffentlichten Dokumenten herumgelesen, darin aber kein Wort zu Krafträdern verschiedener Art gefunden.

Dabei sind motorisiert Zweiräder eine gute Möglichkeit, Verkehre umweltfreundlich zu entzerren: Sie brauchen wenig Platz pro Person, moderne Motoren verbrauchen wenig Kraftstoff und es gibt sie elektrisch. In Ländern und Städten mit wirklich hohem Verkehrsaufkommen sind sie zahlreich zu finden. Wobei ich behaupte, Bremen hat noch keine echten Verkehrsprobleme, sonst wären viel mehr Kräder unterwegs.

Streckensperrung wie in BremerhavenIn London und anderen Städten dürfen schon seit Jahren die Busspuren von Motorrädern mit genutzt werden. In Madrid herrscht eine friedliche Koexistenz von Krädern und Autos (Artikel „Bikes of Madrid“ im MO 7/2014 S. 83, leider nicht online). In China wurden bereits 2006 mehr elektrische als benzinbetriebene Roller verkauft. In NSW-Australien ist es seit kurzem offiziell erlaubt, zwischen anderen Kfz „nach vorne“ zu fahren (Lane filtering oder Lane Splitting).

In Bremen benötigen Kräder in Straßen mit Anwohnerparken einen kostenpflichtigen Anwohnerausweis. Das ist autozentriertes Denken der 1970er.

Ein Ziel des Verkehrsentwicklungsplanes ist mehr Verkehrssicherheit, Zitat:

Zielfeld 2: Verkehrssicherheit und soziale Sicherheit bei der Nutzung erhöhen

  • Anstreben Vision Zero (Keine Verkehrstoten)
  • Fördern der Unversehrtheit bei der Nutzung aller Verkehrsmittel und -einrichtungen
  • […]

Für Kradisten hätte ich da schon ein paar Vorschläge:

  • Weniger Bitumenflickerei - man merkt dem armen Bundesland das billige Flickwerk an - aber diese Rutscherei ist auch bei Trockenheit inakzeptabel.
  • Genauso rutschig sind manche Fahrbahnmarkierungen. Zum Beispiel die provisorischen gelben Fahrradschutzmarkierungen im Stern.
  • Wiedereinführung der guten alten Betongullideckel. Die neuen Stählernen sind auf Kreuzungen bei Nässe gerade beim Abbiegen keine Freude.
  • Entfernen aller Wildunfall-Kreuze an Landstraßen (betrifft mehr das Umland). An bekannten Gefahrenstellen zusätzliche Gefahren für stürzende Kradisten zu schaffen ist selten dämlich.

Um den Verkehr mit Krädern zu entzerren und die Umwelt zu entlasten, kann helfen:

  • das Rechtsüberholen außerhalb geschlossener Ortschaften (für alle)
  • die Mitnutzung von Bus- und Taxispuren durch Kräder
  • das Durchschlängeln für Kräder erlauben, nicht nur innerorts
  • Halteflächen vor den Haltelinien auch für Kräder
  • kostenlose Parken für Kräder überall
  • mehr extra ausgewiesene Parkflächen für Kräder, nicht nur in der Innenstadt
  • keine Maut für Kräder aller Größe und Herkunft
  • Nachtrag: Griesgram999 weißt noch auf daswidersinnige Standardüberholverbotsschild hin

Das sind utopische Maximalforderungen, aber vorschlagen kann ich das ja mal. Für den Senator ist das Thema offensichtlich gar keines.

Trackbacks

Alexander Mayer am : Alexander Mayer via Twitter

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Kommentare

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Alexander am :

Die Kraftradlobby ist einfach nicht einflussreich genug …

Aber du könntest ja mal eine Petition starten. Petitionen sind in! Ich würde sie mitzeichnen, auch als Nicht-Bremer.

Bla am :

Fairerweise muss ich erwähnen, dass der Senator

beim Verkehrentwicklungsplan eine Bürgerbeteiligung ausdrücklich zu lässt. Warum der bisher völlig an mir vorbeigegangen ist, weiß ich nicht.

Dieter Wellmann am :

Ich finden Deine Forderungen gar nicht "utopisch maximal", sondern einfach nur korrekt. Die "Vision Zero", an der sollte mal jemand schrauben. Eine Welt ohne Verkehrstoten ist auch eine Welt ohne Risiken und Gefahren und dies wäre eine Welt voll des Trübsals. Jede Gesellschaft muss eine gewisse Anzahl von Verunglückten vertragen können? Klingt zwar hartherzig, ist aber wichtig, damit wir alle überleben.

Bla am :

Tja, diese Vision Zero. Ich würde auch eher daran arbeiten, Lebensrisiken zu erkennen, zu akzeptieren und durch Fähigkeiten zu bewältigen, anstatt immer neue Regeln zu erfinden. Und das fängt in der Fahrschule an.

Und die 4-rädrigen Fahrzeuge sind zu sicher. Das macht Unfälle für die Insassen sicherer, verhindert sie aber nicht. Und die zahlreichen Assistenzsysteme und Verbote und Limits führen zu immer mehr Unkonzentriertheit beim Fahren.

Oh, ich rege mich schon wieder auf.

Dieter Wellmann am :

Mir gehts da genauso wie Dir. Ich brauch da manchmal auch ein Gläschen Baldrian, wenns um das Thema geht.

Mit Lebenskompetenzschulungen (was ja eigentlich die Aufgabe von risikokompetenten Eltern sein sollte) lässt sich leider weniger Geld verdienen als mit ABS, Airbag und Assistenzsystemen. Verbote sind auch einfach zu erstellen. Eine richtige Auseinandersetzung mit Risiko und Sicherheit wäre kostenlos, aber mit Aufwand verbunden. Ich kämpfe da hier in Österreich manchmal auch gegen Windmühlen, denn viele Bürger selbst wollen bezüglich Sicherheit von oben bestimmt werden (ausser beim Rauchen und Saufen, da will jeder seine Freiheit). Es wäre sehr interessant eine Fahrschule mit Schwerpunkt "Risikokompetenz" zu gründen. Verkehrsregeln könnte man in ca. 60 Minuten abhandeln. Der Rest der Zeit ginge es um - wie Du so schön schreibst - erkennen und bewältigen von Risiken.

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