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Abarbeiten

Ich brauche einen neuen Personalausweis. Nicht, dass ich wirklich einen benötige, denn ich habe noch einen fingerabdruckfreien Reisepass, der noch viele Jahre gilt. Aber bevor ich einen Ausweis mit noch mehr biometrischen Merkmalen und digitalen Überfunktionen bekomme, hole ich mir doch das harmlose Modell für ein paar Jahre.

Mit einem verbrecherhaftem Passfoto und dem Reisepass als Legitimation betrat ich das BürgerServiceZentrum in der Stadtmitte am Samstag Mittag. Es hatte tatsächlich zu pendlerarbeitnehmerfreundlichen Zeiten geöffnet, wie mir das Internet vorher verriet. Prompt kam ich an die Reihe und äußerte meinen Wunsch.

Ich kann Ihren Antrag nicht mehr annehmen.

Das ist nicht Ihr Ernst: Sie schreiben etwas von Öffnungszeiten bis dreizehn Uhr und nehmen um halb eins keine Anträge mehr an?

Ich muss noch die vorherigen Kunden abarbeiten.

Wenn demnächst ein Sicherheitsbeamter nach meinem Ausweis fragt, erzähle ich etwas von Abarbeiten von Dingen, und dass ich seinem Wunsch an dem Tag nicht nachkommen kann. Und dass ich dann noch auf seine abarbeitende Kollegin warten muss.

Verstaubt

In den Mittagsstunden eines wolkigen Aprilsonntages kam es im Bereich des südlichen Bürgerparks zu ungewöhnlich hohen Staubkonzentrationen. Hustende Meisen und röchelnde Gartenzwerge zeugten von diesem Ereignis.
Mitarbeiter des Einsatzstabes „Klimaaktionismus“ fanden bald die Ursache: Der männliche Teil eines Paares mäßiggutbürgerlicher Dinks (die nebenbei im Besitz von 4,5 Fahrzeugen mit benzinhaltigen Verbrennungsmotoren sind) hatte seiner frühlingsputzenden Frau ungeplant helfen wollen. Er nahm nacheinander zwei neben ihm auf dem Sofa liegende Wolldecken und schüttelte diese auf dem Balkon der gemeinsamen Wohnung hemmungslos aus.
Die entstehende Staubwolke zog, getrieben durch einen starken Ostwind, über die Innenstadt in Richtung einer kleinen Stadt im benachbarten Bundesland. Dort glaubte man zunächst an einen sich nähernden Schneesturm. Dann erinnerte man sich aber an die penetranten Warnungen der üblichen Medien über das doch erwärmte Klima und sprach kundig von Staubbelastungen durch äolische Sedimente (“Der Löss kommt!” ist seitdem ein geflügeltes Wort und löst mehr Angst aus als “Der Russe kommt!” Beides entbehrt wissenschaftlich haltbarer Gründe und wird darum gerne geglaubt.)
Die zuständige oberste Reinigungsfachkraft aka Umweltsenator der Staubverursacher versprach noch beim sonntagnachmittäglichen Biokaffeetrinken, dieser Form der privaten Umweltverschmutzung rasch Einhalt zu gebieten: „Putzen kann tödlich sein“ soll zukünftig auf allen Reinigungsmitteln, Putzlappen und Staubsaugerbeuteln stehen.

Vor über 20 Jahren

Heute Abend sind wir zu einer 80er-Jahre-Party eingeladen. Mit Verkleidung. Natürlich habe ich keine der modischen Irrungen jener Zeit mehr rumliegen, so ich sie denn je hatte. Darum bin ich heute Mittag in die Innenstadt gefahren, um nach veralteten Accessoires zu schauen. Aber ich fand nichts. Die Läden verirrter jugendlicher Pseudomarken-Poser hatten nichts Passendes und Spontisprüche-T-Shirts in Szeneläden kosten mal eben 15-20€.
Ich werde also Sneaker anziehen, eine schlichte Jeans (tatsächlich etwas Karotte, keine Bundfalte), ein ffn-"Wenn der Tag gelaufen ist... Curt und gut"-T-Shirt, daran kommen ein paar Buttons die ich hoffentlich noch finde, eine Muschelhalskette, ein Lederarmband, eine Sonnenbrille mit großen Gläsern und an den Gürtel ein funktionierendes portables Musikkassettenabspielgerät mit Bügelohrhörern und 80er-Jahre Sampler.

Ein weiteres Relikt der 80er, mein manufaktur-Fahrrad, braucht Ersatzteile. Nachdem ich die Kette schon gewechselt hatte, merkte ich Dummi erst, dass Ritzel und Kettenblätter naheliegender Weise auch hin sind. Probleme, weder existiert der Hersteller (SunTour) meiner Komponenten noch, noch sind Kettenblätter mit 122er Lochkreis für 2x6-Gang-Schaltungen leicht zu bekommen. Wenigstens einen geschraubten Kassettenkranz habe ich noch bekommen. Aber wie ich den Kranz ab bekommen soll, oder gar die Kurbeln, weiß der Teufel. Oder der Rat eine befreundeten Tourers: “Hol' dir doch ein Buch”. Und das habe ich im Regal wiederentdeckt: Fahrrad für Kenner von Ulrich Herzog, ein Klassiker seiner Zeit und nur noch antiquarisch zu erhalten.

Von diesem Rad (oder seinem geklauten Vorgänger) gibt es ein Foto auf dem Dach eines mindestens bundesweit bekannten Hotels einer kleinen Stadt, dass kein Hotel mehr sein wird. Damals brauchte ein befreundeter damals noch werdender Journalist ein Foto für einen Artikel über das Radfahren in eben dieser kleinen Stadt. Zu sehen sein sollte ein Rad vor dem Wahrzeichen dieser Stadt, dem Wasserturm. Das Dach des Hotels bot die richtige Höhe und Entfernung zum Turm. Der gefragte Hotelier war einverstanden und schon ging es zur Fotosession durch ein Fenster auf das Dach, wo das zum Glück schwindelfreie Rad auf der Dachkante posen durfte.

Mopped fahren macht dicker

Viel Landschaft, schmale Straßen.

Viel Landschaft, schmale Straßen.

... dachte ich, als ich nach 4 Tagen Mecklenburg-Vorpommern und 1,2Mm Sitzbank plattdrücken plötzlich 15% schwerer war als vorher. Sagte jedenfalls die digitale Wahrheit. Nun hatten wir uns fast nur per Zweirad fortbewegt, dreimal am Tag gut gegessen und Abends gut getrunken. Spontan entschloss ich mich also zu Gemüsesnacks, Fahrradfahren, Kräuterteetrinken und Salat als Hauptspeise.
Zusammen mit der EINEN™ habe ich dann eben noch mal den Test gemacht und siehe da, die digitale Wahrheit zeigte schon ohne Last einen Viertelzentner an und die EINE™ hatte plötzlich auch ein Gewichtsproblem. Puh, sind wohl nur die Batterien leer. Dann darf ich doch noch eines der gelben B*listos essen.

Gegner

Als ich heute Morgen los fuhr, versuchten mehrere unauffälligen Menschen in unauffälligen Autos mit Bonner Kennzeichen in unserer Straße zu parken. Das die hier keine Verwandten besuchen wollten, war offen sichtlich. So schlecht wie die Beamten ihre alten Fahrzeuge in unsere kleinen Restlücken quetschten, waren sie wohl nur mäßig ausgebildet. Im Laufe des Tages wusste ich, dass sie wohl ein paar Häuser weiter Gipfelgegner vermuten. Oups, aber wie schon die EAV sang und Herr Schäuble weiß: Das Böse ist immer und überall.
Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass unsere Funkzellen hier (wie im Beispiel Paderborn wegen eines anderen Verdachtes) zur Zeit abgehört werden. Na super.

Heute Abend kam ich spät nach Hause und nicht in unsere Straße rein. Zahlreiche (grün-weiße) Autos versuchten irgendwie rückwärts aus selbiger zu fahren (an der Fahrausbildung unsere Sicherheitskräfte wird offen sichtlich gespart). Ein flugs interviewter Mann in grauer Kampfmontur erzählte was von Demonstranten und dass ich mir keine Sorgen machen müsse. Ich machte mir tatsächlich Sorgen, allerdings um einen freien Parkplatz vorm Haus und die lackgefährdenden Fahrkünste seiner Kollegen.

Vorhin dann zeigte mir unsere Nachbarin von oben (die mit der tollen Aussicht) dichten Rauch in der Innenstadt. Die Razzien werden wohl nicht kommentarlos hin genommen.

Schokoladenriegel

Für die Freunde des hemmungslos süßen Genusses gibt es in unserer Gegend zur Zeit ein Rarität zu kaufen: Gelbes Bal*sto (Milch Honig Mandel). Normalerweise ist es nur in Frankreich erhältlich. Wir aber kennen einen Laden, der nicht unbedeutende Mengen vorrätig hat. Lecker.

Milch Honig Mandeln.

Milch Honig Mandeln.


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